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GEFESSELTE FREIHEIT

Ein dorniger Weg durch die Widersprüche unserer sich rasant ändernden Zeit

"Morgens um vier wurde Egon wach. Die Erinnerungen an den Vorabend, als er mit Zufallsbekanntschaften in der Kneipe geprostet und geflachst hatte, waren verblasst. Nicht aber so verblasst, als wären sie ganz aus der Welt. Im Traum, mit Schuldgefühlen seinen Mitmenschen und, vor allem, seiner eigenen Menschenwürde gegenüber beladen, hatte er versucht, sich mit Gewalt von jener Gemeinschaft zu distanzieren, in die er meinte, bereits hineingewachsen zu sein und wo er, so glaubte er wenigstens, Wurzeln geschlagen hatte."

"Die Vergangenheit, in Form von alten Erinnerungen an seine Familie, die damals noch einen messbaren Schutz leistete, war immer noch die Bühne seiner Träume, während sich die Zukunft erst dem halb wachen Egon als Leere darstellte, just in der Übergangsphase zwischen dem Eintreten der Sorgen des Alltags und der schwindenden, unbewussten Verarbeitung der angestauten Reize. Die Vergangenheit als Boot, als Holzbrett, die Zukunft als Brandung und Getöse. Jede Veränderung des Ist–Zustandes verringerte die Kontaktfläche zwischen Egons krampfhaft nach Rettung suchender Hand und dem rettenden Holzbrett und damit drohte ihm der Sprung ins kalte Wasser, die zwanghafte Anpassung an eine unbekannte, neue Umgebung, die er innerlich ablehnte und sich als gefährliche Leere vorstellte."

"Egon musste sich überwinden, einen inneren Kampf führen, um irgendwie aufstehen. Inzwischen war es richtig spät geworden: bis neun Uhr, bis zum Ende der gleitenden Arbeitszeit, blieben ihm nur schlappe 50 Minuten übrig. Zehn davon wurden vertrödelt, da er sich nicht entscheiden konnte, ob das Rasieren wichtiger als das Duschen war, um später zu entscheiden, dass beide Vorgänge gleich wichtig waren. Nach der morgigen Toilette weigerte sich Egon hartnäckig, auf die Uhr zu schauen: es war ihm schon bewusst, dass er damit den Kopf in den Sand steckte und möglicherweise die letzte Chance verspielte, pünktlich anzukommen. Er wollte es einfach nicht wissen,..."

"Das trostlose, einst als idyllisch empfundenes Gelände, welches sich auftat, als man vom Bürofenster aus die umherliegende Landschaft durch den Nebel betrachtete, konnte einem stets das Gefühl vermitteln, Werkzeug und nicht Darsteller, Bauer und nicht Offizier, Gejagter und nicht Jäger zu sein. Als die Krähen das Feld verliessen, sah es so aus, als ob mit den Vögeln auch die letzte Hoffnung auf einen sicheren Lebensunterhalt verfliegen würde. Schwarz und grau, die Farben der sinnlos abwartenden und alles ergreifenden Monotonie."

"Egon behandelte sein Privatleben als streng vertraulich, zumindest auf der Arbeit und in unselektierten Gesellschaften. Anders mit Menschen, die er für fähig hielt, aktiv und aufmerksam zuzuhören und ihm selbst gute Denkansätze zu geben. Was ihn im Werksgelände vielleicht am meisten störte, war die Unsitte, die in der Kantine weit verbreitet war, (fast) jeden lauthals mit völlig unpassenden Bemerkungen zu unterbrechen, besonders wenn „potentielle Gönner" am Tisch sassen, bloss um die „Lacher" auf seiner Seite zu haben und damit Teamgeist und Führungspersönlichkeit an den Tag zu legen. Das richtige Leben besteht aus Geben und Nehmen. Warum soll einer nur geben, damit die Nehmer die Gaben nicht verstehen, sich nicht dafür interessieren, oder sie zur Eigenprofilierung auf Kosten des Gebers selbst benutzen? War es unflätig oder unkollegial, jener plumpen Vertraulichkeit aus dem Weg zu gehen, die ihre Sternstunden in der von allen gehassten und von vielen als Mittel zum Zweck benutzten Kantine, feierte?"

"Egon hatte wieder keine Lust zu schlafen. Er wälzte sich unaufhörlich im Bett und konnte zu keinen schlaffördernden Gedanken kommen. Piroschkas verhüllte Füsse tauchten im Halbschlaf immer öfter und aufdringlicher auf. Was mag sie unter den Stiefeln getragen haben? Strumpfhosen? Socken? Gar nichts? Bei dieser letzten Vorstellung wurde es Egon ganz mulmig. Er hatte es so weit gebracht, sich die höchste Stufe der Erotik vorzustellen. Alles und nichts."

"Ob wir es erkennen wollen oder nicht, werden die meisten von uns Menschen vom Dämon Neid beherrscht. Wenn die ganze Welt, mit allen ihren Bewohnern, plötzlich explodieren würde, würde uns die Sache ziemlich kalt lassen. So ein Schicksal wäre uns viel erträglicher als die Vorstellung, irgendwo, einsam und allein, in einem fremden Hotelbett zu sterben, während im Erdgeschoss eine glitzernden Party gefeiert wird. „Allzu früh und fern der Heimat" zu sterben, die eigene Individualität aufzugeben, während es den Anderen gut geht. Das ist das Gemeine an dem Tod. Hinzu kommt noch die Vorstellung, möglicherweise jahrelang qualvoll herumzusichern, anderen Menschen zur Last zu fallen, die eigene Menschenwürde zu verlieren. Deswegen steckt Mensch oft lieber den Kopf in den Sand."

"Wenn eine Frau angibt, an die frische Luft gehen zu wollen, um "nicht zu ersticken", ist meistens ein Beziehungsmief, nicht die schlechte Qualität der Luft gemeint. Es geht um den Wunsch, entweder die bestehende Beziehung zu lockern, oder sie ganz aufzugeben."

"Die Erfüllung seiner erotischen Träume konnte nicht "Gerda" heissen, sonst würde er nicht dort im Parkcafé sitzen und ständig auf der Suche nach gewissen Reizen sein. Mutterersatz? Ohne Potential zur Geborgenheit und zum Wir–Begriff nicht denkbar. Es blieb nur eine vernünftige Erklärung übrig. Sein triebhafter Wunsch, im vertrauten Beziehungsleben zu verbleiben, da er der Single–Welt nicht gewachsen war. Es zählte nicht, dass sich diese Flucht mit utopischen, nicht realisierbaren Modellen begnügte und darauf aufbaute."

"Egon befand sich, sei es hier noch besonders betont, auf der Flucht. Vom Arbeitgeber gehetzt, von den Frauen verunsichert und vertrieben, vom eigenen kränkelnden Bewusstsein angestachelt. Ohne eingestehen zu wollen, dass der Wunsch, vertrieben zu werden, von ihm selbst ausging: Ohne die Ehrlichkeit, zuzugeben, dass die ganze Raserei nach München bloss der momentane Ausweg aus der Zuspitzung einer Situation war, die entgleist war die er sich nicht leisten konnte, wie bisher als vorübergehend zu erkennen. Urlaub von den Sorgen."

KRITIK

1. "Gefesselte Freiheit" - ein Abschied von Hoechst

Abschiedsgesänge auf das Selbstwertgefühl durch das Entschwinden der Hoechst AG gibt es einige. Nicht alle halten literarischen Kriterien stand, wirken eher als Zeitdokument. "Gefesselte Freiheit" von Julius Franzot ist anders. Seine Erzählung zehrt vom genauen Beobachten seiner selbst.

Julius Franzot wurde als Kind deutsch-italienischer Eltern 1956 in Triest geboren. Bis 1996 ist er im Pharmabereich der "Farbwerke" tätig gewesen. Dann baute er sich in seiner zweiten Heimat, Italien, eine neue Existenz auf. Damit es keine Missverständnisse gibt: Das Buch ist keine platte, rachedürstende Generalabrechnung. Der Held - ganz offenbar Franzots Alter Ego - ist staunend unterwegs. Vor was Egon aber flüchtet, bleibt meistens verborgen. Die Firmenleitung schenkt keinem reinen Wein ein. Das Ergebnis: "In letzten Zeiten hatte man mit dem Schimpfen aufgehört. Die anfängliche Wut war Resignation, passives Abwarten geworden. Die Firma existierte im Bewusstsein der Angestellten schon lange nicht mehr, niemand stellte sich die Frage nach den Rechtsnachfolgern."

Die Folgen in den Büros: "Es kam Arbeit. Es wurde Arbeit erfunden. Der Vorstand brauchte Zahlen. Der Vorstand brauchte nur diejenigen Zahlen, die ihm halfen, unbequeme Personen zu identifizieren und ihnen mitteilen zu lassen, man habe in der neuen Organisation keine Planstelle für sie."

Dabei gab es noch etwas, was einst zur Familientradition gehörte, von Egon aber nicht goutiert wird: "Tiefe Wolken über dem Feldberg erinnern an seinen Ursprung als Vulkan und bildeten eine ununterbrochene Kette, einen grauen Streifen, der in die weiße Dampfwolke aus der Energiezentrale der Rotfabrik überging. Die Verkettung der Landschaft begleitete die Verkettung von Beruf und Privatleben und ordnete letzteres in die vom Betrieb vorgegebenen Bahnen. Deshalb besuchte Egon aus Prinzip keine Veranstaltung in der firmeneigenen Jahrhunderthalle."

In unbestimmbarer Weise will er sein privates Leben retten auch wenn jene, mit der er es zeitweilig teilt, seinen intellektuellen Ansprüchen nicht gewachsen ist. Es "fing ihre Welt in Oberursel an und endete in Hattersheim". Auch schwebt über Egon immer wieder das "Hoechster Einheitsgesicht": "Vorbestimmte Reihenfolge im Tages- und Lebensablauf, feste Stationen auf dem Weg zur Pensionierungsfeier in der Jahrhunderthalle: Darlehen von der Pensionskasse, Reihenhaus in Kelkheim, VW-Passat, 25. Dienstjubiläum, Tanzkurs im Tanzkreis Hoechst, Ernst Bäumlers Werke aus der Werksbibliothek. Am Ende stand die von der Sterbekasse bezahlte Beerdigung".

In all dem versucht Egon mit geradem Rücken zu bestehen. Sein Problem: "Und Egon war ein ehrenswerter Mann. Und Egon war ehrlich. Und Egon war verdammt dumm."

Am Ende sucht Egon Zuflucht bei einem Malerfreund in München. Dort macht er die Erfahrung: "Jeder, der sich als Künstler bezeichnen will, sollte sich genau überlegen, worauf er sich einlässt. Wer die eigene Begabung zu Gunsten der sozialen Akzeptanz unterdrückt, der wird doppelt dafür bestraft: er hinterlässt die Botschaft nicht, die ihm anvertraut wurde und ist nicht frei, sich dem profanen Leben hinzugeben."

Jürgen Dehl, Höchster Kreisblatt, Frankfurt, 09.12.2002


2. Königstein hat einen Platz in seinem Herzen und seinem Buch

Julius Franzot ist in zwei Kulturen zu Hause. Eine deutsche Mutter und ein italienischer Vater haben ihn geprägt. Acht Jahre lang lebte der heute in Triest Wohnende in Königstein, war als internationaler Produktmanager sei einem Pharma-Unternehmen tätig. Heute hat er als Exportleiter einer Pharma-Firma in Italien zwar den räumlichen Abstand zur Kurstadt, viele deiner Gedanken kreisen dennoch um die Erlebnisse in Königstein. Das hat Franzot auch in seinem Buch "Gefesselte Freiheit" festgehalten.

"Ich tue das für mich", sagt der Hobby-Autor, der aus Italien angereist ist, um sein Werk einigen Buchhandlungen im Rhein-Main-Gebiet vorzustellen. Es handelt von einem Mann namens Egon, der privat und beruflich von Misserfolg gebeutelt ist und aufgrund dessen die Dogmen des Zeitgeistes hinterfragt.

Auch auf das Genre "Gedichte" hat sich Franzot herangewagt. Sein Band mit 30 Gedichten "Im Wald und vor der Sonne", hat letztes Jahr in Italien die Auszeichnung "Leone di Muggia" erhalten. Und dass noch vor seiner zweisprachigen Veröffentlichung, die 2003 auf der Buchmesse in Turin vorgestellt werden soll. "Ich habe die ersten Gedichte geschrieben, als ich 20 Jahre alt war", erinnert sich der heute 46-Jährige. Am liebsten schreibe er am Wochenende, abends und wenn es regnet, so Franzot, der auch mal am Flughafen zum Schreibblock greift, um seine Gedanken niederzuschreiben.

Elena Schemuth, Königsteiner Woche, Königstein 12.12.02




Trieste Arte&Cultura, April 2004
Neulich in Deutschland erschienen

GEFESSELTE FREIHEIT von Julius Franzot

Der Triestiner Schriftsteller drückt sich auf Deutsch aus

Von Renate Grim Wolf
und Erika Mattea Vida


Es gibt Labyrinthe der Seele, der Extase des Unwohlseins, in die seit Menschengedächtnis der Mensch ständig willentlich herabgestiegen ist.

"Ein dorniger Weg durch die Widersprüche unserer sich rasant ändernde Zeit" - wie es Julius Franzot ("Gefesselte Freiheit / Libertà incatenata") ausdrückt, wovon die steinernen Labyrinthe des Ägyptischen und Minoischen Altertums und die hölzernen aus der Renaissance nur symbolhafte Darstellungen sind. Später drangen moderne und postmoderne Künstler mit Gewalt in sie hinein, um die Ungeheuer des Ichs mit geradem Blick in die Augen zu schauen. Die Ungeheuer, auf die sie sich bezogen, konnten auch diejenigen ihrer Zeiten sein. Es gibt Künstler, wie der Surrealist André Masson ("Das Labyrinth" 1938 - Musée National d' Art Moderne - Paris), die sie mit gewaltigen, zornigen Pinselstrichen, die an einer Psychose grenzten, darstellte, nachdem er sich freiwillig an das trübe Schauspiel des Krieges beteiligt hatte, oder solche, wie der Dubliner James Joyce ("Dedalus" 1917), ein Wirrwarr von Worten und Gehirnprozessen, jenseits der kontrollierten, geordneten und logischen Kommunikation (stream of consciousness) aufleben liess, oder solche, wie der Argentinier Jorge Luís Borges, das Labyrinth als Symbol der Vielfältigkeit, der Verirrung, aber auch der Vitalität, aus denen sich das zeitgenössische Leben zusammensetzt, konstruierte.

Auch Julius Franzot erlebt sein sehr persönliches Labyrinth, oder ist es vielleicht ein Wirbel, dessen Wände, oder Strudel, die eine durchsichtige, beschützende, aber zugleich bedrohliche Unzerbrechlichkeit auszeichnet, sich in konzentrische Kreise abwickeln, sich gegenseitig durchschneiden und mit einander verwickeln und die Namen Kindheit, Familie, Arbeit, Freundschaft, Frauen, Sex, Alkohol, Träume tragen. Diesmal steht kein Minotaurus mit offenem, gierigem Rachen in der Mitte, sondern das apokalyptische Weib, jene aus Heinz Seebers Allegorie, die auf dem Umschlag des Buches abgebildet ist. Sie versinnbildlicht den gewundenen Dualismus unseren elendlichten Lebens als Schiffbrüchige: Leben und Tod, geistlich und weltlich, Hass und Liebe, Fleisch und Geist, und wird klar von Franzot in der Gegenüberstellung der weiblichen Personen Piroschka, eine mit einer fast animalischer Sinnlichkeit ausgestatteten Kellnerin und Bea, die schwesterliche Freundin mit ihrer verdünnten Schönheit. In diesem Zusammenhang zitiert der Autor bekannte Verse aus Foscolos "I Sepolcri", worauf er sich in seiner Auslegung bezieht ("Amor, nackt in Griechenland und nackt in Rom, mit einem weißen Schleier schmückend, legte er der himmlischen Venus in den Schoss"), in dem der Dichter auf die Spiritualisierung der Liebe der Klassiker seitens von Petrarca anspielt, der sie als Leidenschaft besang, und auf die Doppelnatur der Liebesgöttin, einerseits weltlich und sinnlich, anderseits himmlisch und geistig.

Franzot bedient sich einer wohl geprüften Technik, der des inneren ununterbrochenen Monologs, der Missachtung logischer und formeller Passagen zugunsten des tiefen Erkundens der Abgründe des sozialen Ichs, dessen, was man den anderen zeigen will, der Zugehörigkeit zur eigenen Leitgruppe und dessen Führung zu übernehmen (Franzot meint damit die Fähigkeit, Kern jener Gruppe zu sein). Dies steht aber oft im Widerspruch mit dem Sich Selbst, dem Über-Ich, der psychischen Instanz, die kontrolliert, zensiert, bestraft (die Familie, die Firma, in der er arbeitet) und vor allem mit dem Es, den Lebensenergien, die sich in uns tummeln, dem Unbekannten, das uns mit seinen Ängsten bedrängt, der Libido, den beseitigten Spuren des Kindesalters, dem Chaos.

Aber gerade dieses "Monstrum", in der archaischen Bedeutung dieses Wortes, zieht uns ins verbotene Gebiet an, treibt uns an, der Gefahr zu trotzen, die Tabus und die menschlichen Regeln zu überschreiten und uns unserer echten Identität anzueignen. Das "Monstrum" ist der Drache, die Schlange der Antike, der töten kann (die alte Persönlichkeit), damit eine Wiedergeburt und damit ein neues Leben statt finden könne. Es ist Jonas Wahlfisch, der ihn verschlingt und wieder ausspuckt und die Pinocchios, der als Marionette verschluckt und als Kind herausgespuckt wird, es ist die Höhle, die urtümliche Mutter (Franzots apokalyptisches Weib), in die man verwirrt und unvollkommen eindringen muss, um sie dann geläutert zu verlassen. Es ist der Abgrund des psychischen Todes, der von der vollständigen Wiederherstellung gefolgt wird.

"Gefesselte Freiheit" bedient sich einer hervorragenden deutschen Sprache, enthält kluge Bemerkungen, reiht Konzepte dicht an dicht und ist mit nicht immer sofort einleuchtenden Passagen gespickt. Der Leser, der sich in dieses Labyrinth hineintraut, muss sich aber dabei des Fadens der Ariadne bedienen: Zeit und Geduld.

Besonders treffend ist das Schlussbild, in dem die Menschen als Sonnenblumen beschrieben sind, die bereit sind, ihr Gedächtnis, als seelischen Mülleimer, abzulegen (die Ängste und die Qualen von gestern), sobald die Sonne ihren ersten Strahl abwirft: das Leben geht weiter.

 

LA LIBERTA' IN CATENE

Una via ardua tra le contraddizioni di questo nostro tempo in vorticoso mutamento

"Egon si svegliò alle quattro della mattina. Erano impalliditi i ricordi della sera del giorno prima, quando, in osteria e con conoscenti casuali, aveva brindato e scherzato. Però non erano così impalliditi, da scomparire dalla faccia della terra. In sogno, pieno di complessi di colpa verso altre persone, ma, soprattutto, verso il suo onore, aveva tentato a forza di prendere le distanze da quella comunità, nella quale si era addentrato ed in cui, almeno così credeva, aveva già posto le sue radici."

"Il teatro dei suoi sogni era sempre ancora il passato, sotto forma di memorie della sua famiglia, che allora offriva ancora una protezione tangibile, mentre Egon, nel suo dormiveglia, nella transizione tra l' arrivo delle preoccupazioni della giornata e la scomparsa graduale dell' elaborazione inconscia degli stimoli accumulati si immaginava il futuro come il vuoto. Il passato come ancora di salvezza, come relitto di legno, il futuro come cavalloni e correnti. Ogni cambiamento, nell' ordine attuale delle cose, sia come fatto, che come immaginazione, riduceva la superficie di contatto tra la sua mano, in cerca disperata di aiuto, ed il relitto di legno, che rappresentava la salvezza. Così lo minacciava il salto nel buio, l' adattamento obbligato ad un ambiente nuovo, sconosciuto, che egli rifiutava dentro di sé e che si rappresentava come il vuoto pericoloso."

"Egon dovette usare violenza a se stesso per alzarsi in un qualche modo. Intanto si era fatto veramente tardi: fino alle nove, fine dell' orario flessibile, gli rimanevano appena 50 minuti. Di cui dieci furono buttati, poiché non si sapeva decidere, se radersi era più importante che farsi la doccia, per poi decidere, che erano ambedue importanti. Dopo la toilette mattutina, Egon si rifiutava di guardare l' orologio. Gli era chiaro, che così faceva lo struzzo e probabilmente perdeva l' ultima occasione di arrivare puntuale. Semplicemente non lo voleva sapere..."

"Il paesaggio sconsolato, prima percepito come idillico, che si apriva guardando dalla finestra dell' ufficio il paesaggio circostante attraverso la nebbia, poteva sempre ispirare la sensazione di essere strumento e non protagonista, pedone e non figura, cacciato e non cacciatore. Quando anche le cornacchie lasciarono il campo, sembrava che, con gli uccelli, anche la speranza di un lavoro sicuro, del proseguimento di un modo umano di vita, volasse via. Nero e grigio, i colori di una monotonia che aspettava inutilmente e che coinvolgeva ogni cosa."

"Per Egon, la sua vita privata era qualcosa di riservato, almeno sul lavoro o in compagnie casuali. Era diverso con persone, che riteneva capaci di ascoltare attentamente e di offrirgli degli interessanti spunti di riflessione. Ciò che gli dava più fastidio era l' abitudine, diffusissima nella mensa, di interrompere (quasi) ognuno ad alta voce e con commenti fuori di posto, soprattutto se al tavolo sedevano anche personaggi potenzialmente influenti, solo per assicurarsi le risate, quindi la simpatia. La vita reale consiste in dare e ricevere. Perché dovrebbe una persona solo dare, per permettere a chi riceve di non capire, non considerare interessanti i doni, o, peggio, di usarli a proprio vantaggio, magari a scapito del donatore? Era inopportuno o egoista evitare quelle situazioni di sgarbata confidenza, che festeggiavano il loro trionfo nella mensa, da tutti odiata e da qualcuno usata come mezzo per raggiungere un fine?"

"Egon non poteva nuovamente dormire. Si rigirava senza posa nel suo letto e non riusciva a pensare a qualcosa di soporifero. I piedi nascosti di Piroschka spuntavano nel dormiveglia sempre più spesso e più insistenti: Cosa avrà portato sotto gli stivali? Collants? Calzini? Proprio niente? Questa ultima possibilità riempiva Egon di incertezza. Era riuscito a raggiungere l' apice dell' erotismo. Tutto e niente."

"Che lo ammettiamo o no, noi uomini siamo dominati dal demone dell' invidia. Se tutta la Terra esplodesse improvvisamente, la cosa non ci toccherebbe troppo. Un tale destino sarebbe più facile da sopportare che immaginarsi di morire, soli ed abbandonati, in un letto d' albergo, mentre al piano terra si festeggia. Morire "sì presto e dalla Patria così lungi", perdere la propria individualità, mentre gli altri stanno bene. Questa è la perfidia della morte. Ci si aggiunge la possibilità di passare tanti anni ammalati, essere un peso per altri, perdere la propria dignità umana. Perciò moltissimi uomini fanno gli struzzi."

"Se una donna dice di voler andare all' aria aperta „per non soffocare", normalmente si tratta di un problema del rapporto interpersonale, non della cattiva qualità dell' aria. Si tratta del desiderio di ridurre l' intensità dell' attuale relazione o di troncarla completamente."

"La realizzazione dei suoi sogni erotici non poteva chiamarsi "Gerda", altrimenti non starebbe ora nel "Parkcafé", sempre alla ricerca di certi stimoli. Sostituto della madre? Senza il sentimento della protezione ed il senso per la parola "noi", assurdo. Rimaneva solo una risposta possibile: il suo desiderio istintivo di rimanere in un rapporto di coppia, dato che non era adatto al mondo dei singles. Non contava il fatto, che questa fuga si accontentava di modelli utopici, non realizzabili."

"Egon era in fuga. Stressato dal lavoro, perplesso dal comportamento delle donne, punzecchiato dal suo stesso orgoglio. Esiliato. Senza voler ammettere, che il desiderio di essere esiliato partiva da lui stesso. Senza l' onestà di riconoscere, che tutta quella corsa pazza verso Monaco era solo la momentanea uscita da una situazione che si era esasperata, era sfuggita al suo controllo, che egli non si poteva permettere, come prima, di considerare provvisoria. Vacanza dalle preoccupazioni."

CRITICA

1. "Libertà in catene" - un commiato da Hoechst

Ci sono diversi canti d'addio alla propria autostima, causati dalla scomparsa della Hoechst AG. Non tutti reggono a criteri letterari, sembrano piuttosto testimonianze del tempo. "Libertà in catene" di Julius Franzot è diverso. Il suo racconto vive dell'osservazione accurata di se stesso.

Julius Franzot nacque a Trieste, figlio di genitori italo-tedeschi. Fino al 1996 è stato attivo nel settore farmaceutico della Hoechst AG. In seguito si ricostruì un'esistenza in Italia, la sua seconda Patria. Per evitare equivoci: questo libro non è una piatta vendetta assetata di sangue. Il protagonista - evidentemente l'alter ego di Franzot - si muove per il mondo meravigliato. Ma generalmente non viene rivelato da cosa fugge Egon.

La direzione della Ditta non racconta la verità a nessuno. Il risultato: " Negli ultimi tempi non si imprecava più. La rabbia iniziale era divenuta rassegnazione, attesa passiva. Nella coscienza degli impiegati la Ditta non esisteva più già da molto tempo, nessuno si era posto la domanda, chi ne sarebbero stati i successori."

Le conseguenze negli uffici: " Arrivava lavoro. Si inventava lavoro. La direzione aveva bisogno di numeri. La direzione aveva bisogno soltanto di quei numeri che le avrebbero permesso di identificare persone scomode e di far loro comunicare, che nella nuova organizzazione non c' erano posti in organico per loro."

C' era inoltre qualcosa che una volta apparteneva alla tradizione della Ditta, ma che non commuoveva Egon: "Nubi basse sul Feldberg ricordavano la sua origine come vulcano e formavano una catena ininterrotta, una striscia grigia, che sfumava nella bianca nuvola di vapore della centrale energetica della Hoechst AG."

La catena del paesaggio accompagnava la catena che univa il lavoro e la vita privata e che guidava questa nel percorso stabilito dalla Ditta. Perciò per principio Egon non assisteva a nessuna manifestazione nella Jahrhunderthalle, di proprietà della Ditta."

A modo suo vuole salvare la sua vita privata, anche se la persona con cui momentaneamente la condivide, non è all'altezza delle sue aspettative intellettuali. "Il suo mondo cominciava a Oberursel e finiva a Hattersheim". Pure aleggia ripetutamente su Egon lo spettro della "faccia unificata del dipendente Hoechst": "Una serie predeterminata nel trascorrere del giorno e della vita, punti fermi sulla via alla festa del pensionamento nella Jahrhunderthalle: mutuo del fondo pensioni, villetta a schiera a Kelkheim, VW-Passat, 25. anniversario di servizio, corso di ballo nel Club di Ballo Hoechst, i libri di Ernst Bäumler della biblioteca aziendale. Alla fine c'era il funerale pagato dalla cassa aziendale dei funerali."

Tra tutte queste traversie, Egon cerca di sopravvivere senza piegarsi. Il suo problema si può sintetizzare: "Ed Egon era un uomo d'onore. Ed Egon era onesto. Ed Egon era maledettamente scemo."

Alla fine Egon si rifugia a Monaco presso un suo amico pittore. Lì fa l'esperienza che: "Ognuno, che vuole considerarsi un artista, dovrebbe riflettere profondamente su ciò che sta facendo. Chi sopprime il suo talento a favore del favore della società, viene punito due volte: non lascia il messaggio che gli era stato affidato e non è libero di godere la vita profana."

Jürgen Dehl, Höchster Kreisblatt, Frankfurt, 09.12.2002


2. Königstein ha un posto nel suo cuore e nel suo libro

Julius Franzot è di casa in due culture. Una madre tedesca ed un padre italiano lo hanno formato. Ora vive a Trieste, ma ha vissuto per otto anni a Königstein, era Product Manager internazionale presso un'industria farmaceutica. Oggi, come Responsabile Estero di una ditta farmaceutica italiana ha sì una distanza geografica dalla nostra città di cura, ma molti dei suoi pensieri girano ancora attorno alle sue esperienze a Königstein. Questo Franzot lo ha fissato anche nel suo libro "Libertà in catene".

"Lo faccio per me", dice lo scrittore per hobby, che è venuto dall' Italia per presentare il suo libro alle librerie della regione "Rhein-Main". Il protagonista è un uomo di nome Egon, che è perseguitato privatamente e sul lavoro dalla sfortuna, cosa che lo porta ad indagare i dogmi dello spirito di questi tempi.

Franzot si è anche avvicinato alla poesia. Il suo libro con 30 poesie "Nel bosco davanti al sole" ha ricevuto l' anno scorso in Italia un riconoscimento al concorso "Leone di Muggia", ancora prima della sua presentazione, in edizione bilingue, alla Fiera del Libro di Torino, che avverrà nel 2003.

"Ho scritto le mie prime poesie quando avevo 20 anni", ricorda l' ora 46enne. Scrive molto volentieri al fine settimana, di sera e quando piove, dice Franzot, che qualche volta prende carta e penna anche all' aeroporto per scrivere i suoi pensieri.

Elena Schemuth, Königsteiner Woche, Königstein 12.12.02




Trieste Arte & Cultura, aprile 2004 Recentemente edito in Germania

LA LIBERTA' INCATENATA DI JULIUS FRANZOT

Lo scrittore triestino si esprime in tedesco

di Renate Grim Wolf
e Erika Mattea Vida


Ci sono labirinti dell' anima, dell' estasi del disagio, in cui l' uomo si è sempre cacciato e voluto cacciare, sin dalla notte dei tempi.

"Vie spinose attraverso le contraddizioni dei propri tempi" - per dirla con Julius Franzot ("Gefesselte Freiheit / Libertà incatenata"), di cui quelli di pietra dell' antichità egizia e minoica e quelli rinascimentali di bosso non sono che simboliche rappresentazioni. Più tardi, artisti modernisti, post-moderni, vi si sono introdotti a forza per guardare dritto negli occhi i mostri dell' io o, indifferentemente, quelli dei propri tempi. Chi, come il surrealista André Masson ("Il labirinto" 1938 - Musée National d' Art Moderne - Parigi), li ha costruiti a pennellate violente, rabbiose, ai confini della psicosi, dopo aver partecipato volontariamente al fosco spettacolo della guerra, chi come il dublinese James Joyce, ha innalzato dedali ("Dedalus" 1917) di parole e processi mentali, al di là della comunicazione ordinata, controllata e logica (stream of consciousness), chi, come l' argentino Jorge Luís Borges, ha assurto il labirinto a simbolo della complessità, dello smarrimento, ma anche della vitalità che caratterizzano la contemporaneità.

Anche Julius Franzot vive il proprio personalissimo labirinto, o forse gorgo, le cui pareti o vortici, d' una infrangibilità trasparente, protettiva ma al contempo minacciosa, si dipanano a cerchi concentrici, intersecandosi ed intricandosi tra loro e hanno nome infanzia, famiglia, lavoro, amicizie, donne, sesso, alcool, sogni. Al centro, questa volta, non c'è il Minotauro ad aspettare con le fauci aperte, ma "das apokalyptische Weib" (la donna apocalittica), quella dell' allegoria pittorica di Heinz Seeber riprodotta sulla copertina del libro. Essa rappresenta il dualismo contorto della nostra miserabile vita di naufraghi: vita/morte, sacro/profano, amore/odio, carne/spirito ed è ben rappresentata da Franzot attraverso la contrapposizione delle due figure femminili della cameriera Piroschka, dalla sensualità quasi animalesca, e dall' amica fraterna Bea, dalla bellezza rarefatta. In tal senso, l' autore cita e si rifà ad un noto verso dei "Sepolcri" del Foscolo ("Amore nudo in Grecia e nudo in Roma / d' un velo candidissimo adornando / rendea nel grembo a Venere Celeste"), con il quale il Poeta allude alla spiritualizzazione da parte del Tetrarca dell' Amore dei classici, cantato da questi come passione, e alla doppia natura della dea dell' Amore presso gli stessi, l' una terrestre e sensuale e l' altra celeste e spirituale.

La "tecnica" di Franzot è quella già collaudata del monologo interiore ininterrotto, dal disprezzo di passaggi logici e formali a vantaggio dell' esplorazione profonda dei recessi dell' io-sociale, ovvero di ciò che si vuole mostrare agli altri, dell' appartenenza e della capacità di leadership nel proprio gruppo di riferimento (la capacità di essere il "Kern" - nocciolo, dice Franzot) nella comunità, spesso però in disaccordo con il vero Sé, del Super-Io, cioè l' istanza psichica che controlla, censura, punisce (la famiglia, la società dove lavora) e soprattutto dell' Es, le energie vitali istintuali che si agitano in noi, l' inconscio che preme con le sue paure. Le sue angosce, la libido, i rimossi infantili, il caos. Ma proprio questo "mostro", nel senso antico del termine, che ci attrae verso la sfera del proibito, che ci spinge a sfidare il pericolo, a superare i tabù e le convenzioni degli uomini, è anche quello che ci permette di conquistare ed affermare la nostra vera identità, è il drago (il serpente degli antichi), capace di distruggere, di uccidere (la vecchia identità, personalità), affinché ci possa essere rinascita, nuova vita: è la balena di Giona, inghiottito e restituito, e quella di Pinocchio, che da burattino sarà risputato bambino, è la caverna, la madre primordiale (la donna apocalittica" di Franzot) cui è necessario accedere, confusi ed imperfetti, per uscirne rivivificati: è l' abisso della morte psichica seguito dalla reintegrazione totale.

"Gefesselte Freiheit" è un libro scritto in ottimo tedesco, intelligente, denso ed irto di significati non immediati. Nell' intraprenderne la labirintica lettura, però, è necessario munirsi del fili d' oro di Arianna: tempo e pazienza.

Bella l' immagine conclusiva degli uomini quali girasoli, pronti ad abdicare alla propria memoria-deposito di rifiuti (le angosce ed i tormenti di ieri), appena spunta un primo raggio di sole: la vita continua.

 
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